Preisverleihung

Der Leonce-und-Lena-Preis 2021 geht an Katrin Pitz.

Die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise 2021 verleiht die Stadt Darmstadt an Anna Hetzer und Lara Rüter.

Begründungen der Jury

2021 jochen partsch2021 beate troeger

links: Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt Jochen Partsch, rechts: Beate Tröger
©Kanita Hartmann

Leonce-und-Lena-Preis für Katrin Pitz

2021 LM Pitz KatrinVivian Rutsch

© Vivian Rutsch

„wie ein kind, dem man bloß einen schlüssel umgehängt hat“ – das Subjekt der Gedichte von Katrin Pitz steht nicht außerhalb der Welt; es taucht in sie ein, um sie „von unten“, aus der Nähe zu erforschen. Elliptische Sätze vermeiden das „lyrische Ich“ und lassen es erkennend teilhaben an den Pflanzen und ihrer Wundflüssigkeit, der Narbhaftigkeit der Natur: „gibt vögel … die fliegen in rotierende schaufeln hinein. möchte man ungern nur haben.“ Mit poetischer Rhythmisierung, die den Blocksatz dynamisiert, bewegt sich die Sprache durch eine von Zurichtung und Versehrtheit geprägte Landschaft. Für „Naturwissenschaften“, einen kunstvollen Zyklus von überraschender Blickrichtung und berührender Intensität geht der Leonce-und-Lena-Preis 2021 der Stadt Darmstadt an Katrin Pitz.

Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis für Anna Hetzer

2021 LM Hetzer AnnaDirk Skiba

© Dirk Skiba

Den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2021 verleiht die Stadt Darmstadt den ironisch-spielerischen Frauenporträts von Anna Hetzer. Der Berliner Dichterin gelingt ein aufschlussreiches Experiment: nämlich „die Mythen Europas nur mit Frauen* zu erzählen“. Hier werden Rollenmodelle für eine weibliche Subjektivität entworfen – in Abgrenzung nicht nur von den vertrauten mythischen Figurationen (z. B. vom Medusa-Mythos), sondern auch von den Identitätsmustern der Populärkultur und den Positionsbestimmungen von modernen Autorinnen wie Djuna Barnes oder Anne Sexton. Fernab jeder pathetischen Bekenntnisgestik werden Motive der Geschlechtlichkeit, der fluiden Gender-Konstruktion und des weiblichen Körpers in anspielungsreiche Verse gefasst. In diesen poetischen Transformationen „stockt die Hymne“ und wird umgehend zum „Hymen“. Es erscheint konsequent, wenn am Ende dieses Vexierspiels um weibliche Identität eine Huldigung der queeren Fotokünstlerin Risk Hazekamp steht.

Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis für Lara Rüter

2021 LM Ruter LaraPaul Babucke

© Paul Babucke

Der Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis der Stadt Darmstadt 2021 wird Lara Rüter zugesprochen für Gedichte einer originären, unverwechselbaren Subjektivität. Insbesondere die Koppelung von Mythen-Rückgriff und Computer-Jugendsprache des 21. Jahrhunderts, von Naivität und Raffinesse, von Koketterie und Ausgebufftheit erzeugt Verblüffung und Lesegenuss. Ein dichtes Verweisungsnetz zur weltliterarischen Tradition bildet ein Gegengewicht zu performativen Redegesten, die im Hier und Heute verortet sind. Geschickt werden so Balancen austariert und neue lyrische Räume eröffnet. Zudem bestechen die Gedichte durch überraschende Sprachfiguren wie z. B. "sich umzuwissen", "und die sonne wirft mit scherben /statt herzen", kurzum: "worte als florale netzwerkübung". Die Überschrift "lovey dovey dummchen" ist dabei understatement - mit "ovid an der hand", mit Botticelli und den philosophisch relevanten Genforschungen greifen Gegenwärtigkeit und Menschheitsfragen ineinander.